30 Jahre «offizielle» Zweisprachigkeit
Biel bestätigt seine besondere Rolle in der Schweiz
Juni 10, 2026 - Lesezeit: 4 Minuten
Vor 30 Jahren verankerte Biel die Zweisprachigkeit offiziell in der Stadtordnung. Seither prägt sie noch stärker als zuvor das Zusammenleben, die Identität und die Entwicklung der Stadt. Die erneute Auszeichnung der Stadtverwaltung mit dem Label für die Zweisprachigkeit bestätigt dieses langfristige Engagement und unterstreicht die besondere Rolle Biels als Brückenbauerin zwischen der Romandie und der Deutschschweiz.
Biel ist die grösste zweisprachige Stadt der Schweiz. Die Zweisprachigkeit prägt den Alltag der Bielerinnen und Bieler. Sie zeigt sich in den Schulen, am Arbeitsplatz, im Vereinsleben, in den Quartieren und im öffentlichen Raum. Gerade diese Selbstverständlichkeit macht Biel in der Schweiz einzigartig. In keiner anderen grösseren Schweizer Stadt werden zwei Landessprachen tagtäglich so selbstverständlich gelebt. Die Zweisprachigkeit ist Teil der Bieler DNA und trägt wesentlich zur Attraktivität der Stadt bei. Offiziell verankert ist sie seit dem 9. Juni 1996 in der Stadtordnung: Seit 30 Jahren sind Französisch und Deutsch gleichberechtigte Amtssprachen. Die Zweisprachigkeit ist ein zentraler strategischer Pfeiler für die Positionierung, Standortförderung und Weiterentwicklung Biels (vgl. Strategie 2023 «Stadt der Möglichkeiten»). Sie ist gleichzeitig ein wichtiger Faktor für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Lebensqualität in Biel. Das Verhältnis zwischen deutsch- und französischsprachiger Bevölkerung ist mittlerweile fast ausgeglichen (55,2 % und 44,8 % im Jahr 2025). Biel hat auch eine wichtige Brückenfunktion zwischen der Romandie und der Deutschschweiz.
Rezertifiziert mit dem Label für die Zweisprachigkeit
Pünktlich zum Jubiläum «30 Jahre offizielle Zweisprachigkeit» wurde die Stadtverwaltung Biel am 9. Juni vom Forum für die Zweisprachigkeit mit dem Label für die Zweisprachigkeit rezertifiziert (vgl. Medienmitteilung des Forums für die Zweisprachigkeit). «Die Zweisprachigkeit ist eine der grössten Stärken Biels. Sie verbindet Menschen, schafft Verständnis und macht unsere Stadt einzigartig. Dass dieses Engagement erneut ausgezeichnet wird, freut uns sehr und motiviert uns, diesen Weg weiterzugehen», so Stadtpräsidentin Glenda Gonzalez Bassi.
Stärken Biels und Entwicklungspotential
Das Forum für die Zweisprachigkeit attestiert Biel nach der durchgeführten Evaluation, dass «die Zweisprachigkeit fest in der Kultur der Bieler Stadtverwaltung verankert ist». Dies zeigt sich an der ausgewogenen sprachlichen Zusammensetzung des Personals, welche die demografische Entwicklung der Stadt widerspiegelt: 55,9 % der Mitarbeitenden sind deutschsprachig, 44,1 % sind frankophon, wobei die Stadt den frankophonen Anteil in den letzten Jahren erhöhen konnte. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sprechen beide Sprachen. Gut schneidet die Stadtverwaltung auch beim Kriterium Dienstleistungen und externe Kommunikation ab: Die Informationen und städtischen Dienstleistungen stehen systematisch in beiden Sprachen zur Verfügung. Sowohl im Kontakt mit der Bevölkerung als auch im internen Arbeitsalltag werde die Zweisprachigkeit pragmatisch und selbstverständlich gelebt, so das Forum für die Zweisprachigkeit.
Mit 161 von 170 möglichen Punkten schneidet die Stadtverwaltung Biel sehr gut ab. Entwicklungspotential sieht sie bei der Stärkung der Zweisprachigkeit in einzelnen Bereichen und auf Kaderstufe. Hier plant die Stadt unter anderem eine Kampagne zur Attraktivität der Stadt als Arbeitgeberin.
Wichtige Stationen für die Zweisprachigkeit in Biel
Seit Mitte 19. Jhd.: Zweisprachigkeit wird in Biel gelebt. Entscheidend für die Entwicklung hin zur zweisprachigen Stadt war der Aufschwung der Uhrenindustrie und der damit verbundene Zuzug französischsprachiger Uhrmacherfamilien aus dem Jura ab 1844.
1860: erste städtische französische Primarschule wird eröffnet
1860er-Jahre: Stadtverwaltung beschäftigt einen offiziellen Übersetzer
1864: W. Gassmann veröffentlicht neu ein französischsprachiges Amtsblatt «Feuille d’Avis»
ab 1920: Gemäss Gemeindeordnung müssen die Reglemente in beiden Sprachen publiziert werden, deutsche Fassung bleibt aber massgebliche Version.
1950: Zweisprachigkeit im Raum Biel wird im Rahmen der Revision der Berner Kantonsverfassung rechtlich verankert und anerkannt.
ab 1952: Die Stadt wird im amtlichen Kursbuch der SBB neu als Biel/Bienne, und nicht mehr als Biel (Bienne) aufgeführt.
1964: beide Sprachen werden einander gleichgestellt
1996: Zweisprachigkeit wird in der Stadtordnung verankert
1996: Gründung Stiftung Forum für Zweisprachigkeit
2004: Stadt heisst auch im offiziellen Gemeindenamenregister Biel/Bienne
2013: Aufnahme der Zweisprachigkeit in Biel in die Liste der lebendigen Traditionen (Bundesamt für Kultur) 2014/2020/2026 (Re-)Zertifizierung der Stadtverwaltung mit dem Label für die Zweisprachigkeit
2019: Bundesentscheid zur konsequenten zweisprachigen Beschriftung der Beschilderung des Ostasts A5
2025: Nationale Anerkennung des zweisprachigen Status der Stadt durch das Bundesamt für Statistik (BFS)
(pd, rm)
(Foto: Stadt Biel)

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