SBB-Sitzbänke der Zukunft: Einladend, nachhaltig und kundenfreundlich

Zurück in die Zukunft, zurück zu Holz

Juni 29, 2026 - Lesezeit: 6 Minuten

Ein neues Sitzbank-Gestaltungskonzept soll den Aufenthalt an den Bahnhöfen komfortabler gestalten, unterschiedliche Kundenbedürfnisse berücksichtigen und gleichzeitig durch Langlebigkeit und Nachhaltigkeit überzeugen. 

Die Bahnhofsbank gehört in jeden Bahnhof – fast so selbstverständlich wie die Züge selbst. Alexis Leuthold, der bei den SBB-Immobilien als Leiter Bewirtschaftung unter anderem für die Bahnhofs-Möblierung verantwortlich ist, ist überzeugt: Vermeintlich kleine Möblierungselemente wie Sitzbänke prägen wesentlich die Wahrnehmung der SBB.

Sie sollen die Aufenthaltsqualität und den Komfort für die Kunden erhöhen und gleichzeitig für ein einheitliches Erscheinungsbild sorgen. Deshalb setzte sich Leuthold dafür ein, daß neue Sitzbänke entwickelt werden, die sowohl funktional als auch ästhetisch überzeugen und den vielfältigen Kundenbedürfnissen Rechnung tragen. Leuthold sieht in der sorgfältigen Gestaltung dieser Elemente auch einen Ausdruck des verantwortungsvollen Umgangs mit dem öffentlichen Raum.

Der Architekturprofessor Vittorio Magnago Lampugnani spricht in diesem Zusammenhang von „bedeutsamen Belanglosigkeiten“. Inspiriert von Lampugnanis gleichnamigem Buch, war es Leuthold wichtig, den Auswahlprozeß von einer kompetenten und vielseitig zusammengesetzten Fachjury begleiten zu lassen – unter dem Vorsitz von Professor Lampugnani selbst.

Leuthold freut sich, daß die SBB mit den neuen Sitzbänken in Kürze einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Bahnhofsbank setzen wird.

Im Interview geben der Architekt Prof. Vittorio Magnago Lampugnani, Vorsitzender des Fachgremiums, und die SBB-Produktmanagerin Lorena Sommerfeld einen Einblick, wie sie bei der Entwicklung der neuen Sitzbänke Kundenbedürfnisse sowie Nachhaltigkeits- und Gestaltungsaspekte miteinander vereinen konnten.

Die Bedeutung kleiner Details

Herr Professor Lampugnani, in Ihrem Buch „Bedeutsame Belanglosigkeiten“ betonen Sie die Wichtigkeit scheinbar kleiner Details im öffentlichen Raum. Welche Rolle spielen die neuen Sitzbänke für das Kundenerlebnis am Bahnhof?

„Die kleinen Dinge in der Stadt bestimmen ihren Charakter stark mit. Wie in einem Wohnzimmer, das durch Möbel und Raumgestaltung geprägt wird, so beeinflussen auch die Sitzbänke den Charakter des öffentlichen Raums. Das werden die neuen Sitzbänke für den Bahnhofsraum tun: Sie werden ihn für die Reisenden einladender und hochwertiger machen.“

Entwicklung nach Kundenbedürfnissen

Lorena Sommerfeld, warum hat sich die SBB entschieden, eine eigene Sitzbank-Gestaltung zu entwickeln?

„Mit den neuen Bänken erfüllen wir die Bedürfnisse unserer Kunden besser, so beispielsweise auch von Personen mit eingeschränkter Mobilität. Sie haben eine erhöhte Sitzfläche und sind für Personen mit einer Sehbeeinträchtigung ertastbar. Weiter prägen wir mit einer eigenen Gestaltung das Gesicht der SBB nachhaltig. Die Vereinheitlichung des Produktsortiments ermöglicht es uns zudem, sowohl die Beschaffungs- als auch die Unterhaltskosten zu optimieren.“

Welche Rolle spielten die Kunden bei der Entwicklung der neuen Sitzbänke?

„Die Kunden standen im Mittelpunkt unseres Entwicklungsprozesses. Wir haben Daten aus bestehenden Zufriedenheitsbefragungen ausgewertet, die den hohen Stellenwert der Bänke für unsere Nutzer verdeutlichten. Wir haben eng mit Fachleuten für Gestaltung und Inklusion zusammengearbeitet und Prototypen mit unterschiedlichen Kundengruppen getestet.“

Gestaltung und Funktion

Professor Lampugnani, können Sie uns als Vorsitzender des Fachgremiums einen Einblick in den Entwicklungsprozeß geben?

„Wir haben die Entwicklung der Sitzbank kritisch begleitet und mit konstruktiven Anregungen zum Prozeß beigetragen. Dies machte den Prozeß intensiver und etwas länger, aber ich bin überzeugt, daß sich der Aufwand gelohnt hat. Es ist wichtig, daß wir nicht nur funktionale, sondern auch kulturelle und ästhetische Ansprüche erfüllen.“

Welche Kundenerwartungen und Vorgaben der SBB wurden im Begleitgremium besonders intensiv diskutiert?

Lorena Sommerfeld:

„Unsere Anforderungsliste war lang und detailliert. Es gab wenig Spielraum, insbesondere bei Länge, Breite, Gewicht und Materialien. Die Herausforderung war es, eine 350 Kilogramm schwere Bank optisch leicht und attraktiv erscheinen zu lassen.“

Professor Lampugnani:

„Besonders intensiv diskutiert haben wir die Sitzfläche mit ihrer ergonomischen Wellenform sowie die skulpturale Qualität der Betonsockel. Zudem war es ein Anliegen, aus den unterschiedlichen Modellen eine Familie zu schaffen.“

Nachhaltigkeit und Einführung

Was zeichnet das ausgewählte Modell in bezug auf Ergonomie und Nachhaltigkeit aus?

Professor Lampugnani:

„Die Sitzbank ist nicht nur bequem, sondern auch für ältere Menschen und Personen mit Behinderungen geeignet. Das Holz ist pflegeleicht und entwickelt eine schöne Patina. Insgesamt ist die Form schlicht, elegant und zeitlos. Die Bänke werden also in jeder Beziehung lange halten.“

Lorena Sommerfeld:

„Die nachhaltigen Materialien und der modulare Aufbau ermöglichen eine einfache und kostengünstige Instandsetzung. So kann beispielsweise die Holzoberfläche mehrfach abgeschliffen werden, anstatt sie komplett zu ersetzen.“

Wann kommen die neuen Sitzbänke in die Bahnhöfe?

Lorena Sommerfeld:

„Wir planen, die ersten Bahnhöfe ab Ende 2025 mit den neuen Bänken auszustatten.“

(pd, rm)  

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